VORTRÄGE/KONZERT/AUSSTELLUNG
Sa, 04.02.2017, 19.00 – 00.00 Uhr, MMK 1, Domstraße 10
Die Ausstellungsräume des MMK 1 sind geöffnet und das MMK Restaurant sorgt mit kleinen Speisen und Getränken für Ihr leibliches Wohl, Eintritt frei.

DAS SELBST IM DIGITALEN NETZ

VORTRÄGE VON:
Mercedes Bunz
Kai Dröge und Olivier Voirol
Tanja Gojny
Olga Goriunova
Rembert Hüser
Eva Illouz
Geert Lovink
Julika Rudelius
Christina Schachtner
Uwe ­Vormbusch
(Vortragssaal im Untergeschoss)

 

AUSSTELLUNG ED ATKINS. Corpsing

 

FOR PHILIP GUSTON von Morton Feldman

Konzert mit Solisten des Ensemble Modern:
Dietmar Wiesner (Flöte)
Hermann ­Kretzschmar (Klavier)
Rainer Römer (Schlagzeug)
(Ebene 2, Dauer 5 Stunden)

 

DAS SELBST IM DIGITALEN NETZ

Die Beobachtung des eigenen Selbst ist in einer Kultur der Selfies und des Selftrackings zur alltäglichen ­Praxis geworden: Gewollt oder ungewollt sind Menschen andauernd mit ihrem Selbst befasst, das es zu behaupten, zu entfalten, zur Darstellung zu bringen, zu kontrollieren, zu optimieren und zu verwerten gilt. Die Vorträge im Rahmen der Langen Nacht der Sozialforschung nehmen dieses sich im digitalen Netz zunehmend selbst beo­bachtende Selbst seinerseits noch einmal wissenschaftlich beobachtend in den Blick; vor dem Hintergrund seiner historischen Genese fragen sie nach seinen aktuellen Wandlungen, nach seinen emanzipatorischen Potentialen und seinen Gefährdungen, nach Praktiken der Selbstsorge und Phänomenen der Selbstflucht, nach der Anerkennungsbedürftigkeit des Selbst ebenso wie nach den Pathologien des Narzissmus.

Welche Effekte haben etwa die sozialen Netzwerke und Dating-Plattformen auf die sich ständig selbst beobachtenden und zur Beobachtung freigebenden Subjekte und ihre Selbstverhältnisse? Welche Veränderungen in ihren Verständnissen von Freundschaft und Liebe sind mit diesen Formaten verbunden? Welche Auswirkungen hat die informationstechnische Aushöhlung des Privaten in einer digitalisierten Gesellschaft auf das Netz sehr unterschiedlicher sozialer Beziehungen, die das Leben der Einzelnen prägen? Neben solchen, die digitalen Technologien in ihren Formaten und Nutzungen betreffenden Entwicklungen werden auch Phänomene eine Rolle spielen, die mit jenen Technologien in enger Wechselwirkung stehen, ohne aber auf sie reduziert werden zu können. Zu denken ist dabei etwa an die Vermarktlichung des Subjekts in einer massenaffinen Individualitätskultur, an den Zwang zur permanenten Selbstoptimierung, an die Bedeutung quantifizierender und taxonomisierender Beobachtungen des Selbst, an die Zurichtung des Selbst in einer pharmakologisch-­pornographischen Ästhetik oder auch an die Selbstkonzepte, die in den digitalen Formaten prominente Bühnen erhalten: vom performativen Virtuosen bis hin zum gewaltbereiten Täter.

Diese und andere Phänomene werden in der Langen Nacht der Sozialforschung untersucht: Soziologisch werden Kai Dröge und Olivier Voirol dem Internetdating nachgehen, Eva Illouz wird das Selffashioning erklären und Uwe Vormbusch die Wege des Selftracking nachzeichnen. Die Medienwissenschaftlerin Olga Goriunova wird sich den digitalen Erscheinungsformen der Kunst widmen. Weitere Positionen besetzen unter anderem die Kulturwissenschaftlerin und Journalistin Mercedes Bunz, die Medienwissenschaftlerin Christina Schachtner und andere Expert_innen.

KONZEPTION, ORGANISATION, MODERATION INSTITUT FÜR SOZIALFORSCHUNG (IFS) FRANKFURT AM MAIN: DR. SIDONIA BLÄTTLER, DR. DIRK BRAUNSTEIN, PROF. DR. AXEL HONNETH, PROF. DR. JULIANE REBENTISCH, ALMUT POPPINGA

 

LONG NIGHT OF SOCIAL RESEARCH
THE SELF IN THE DIGITAL NET

In a culture of selfies and self-tracking, observing one’s self has become everyday practice. Willingly or not, people are constantly preoccupied with themselves, asserting, developing, depicting, controlling, optimising and assessing. The lectures in the context of the Long Night of Social Research focus once again from a scientific viewpoint on this self constantly observing itself in the digital net; against the backdrop of its historical genesis, they ask about its current transformations, its emancipatory potential and its threats, about practices of self-care and phenomena of self-escape, about the self’s need for recognition and about the pathologies of narcissism.

What effects do, for example, the social networks and dating platforms have on a self that is constantly observing itself and allowing itself to be observed, and on its relations? What changes in the understanding of friendship and love are associated with this format? What impacts does the technological erosion of the private in a digitized society have on the network of very different social relations that shape the life of the individual? In addition to developments that refer to the formats and uses of the digital technologies, a role will also be played by phenomena that interact closely with those technologies yet cannot be reduced to them. This involves for example the marketing of the subject in a mass- related individuality culture, the pressure to constantly self-optimise, the importance of quantifiable and taxonomizable observations of the self, the adjustment of the self in keeping with a pharmacological-pornographic aesthetic, or the self-concepts that are given a prominent forum in the digital formats: from performative virtuosos to perpetrators willing to use violence.

These and other phenomena will be examined during the Long Night of Social Research: Kai Dröge and Olivier Voirol will take a sociological look at internet dating, Eva Illouz will explain self-fashioning, and Uwe Vormbusch will outline the paths of self-tracking. The media scientist Olga Goriunova will devote her attention to the digital forms of art. Further positions will be taken, among others, by the cultural scientist and journalist Mercedes Bunz, the media scientist Christina Schachtner and other experts.