ANDREAS RECKWITZ: DAS KREATIVE SELBST – DAS SELBST DER KREATIVEN
Mi, 09.11.2016, 19.30 Uhr, Zentralbibliothek Frankfurt am Main, Hasengasse 4, Eintritt frei

Kreativität ist in der spätmodernen Kultur sowohl zu einem allgegenwärtigen Wunsch der Subjekte als auch zu einem gesellschaftlichen Erwartungskatalog geworden, der an sie herangetragen wird: Man will und soll kreativ sein. Die Ökonomie verlangt von ihren Projektmitarbeitern Kreativität, die Konsumenten sollen und wollen Ko-Kreative sein und psychologische Ratgeber geben Handreichungen, wie sich das kreative Potenzial jedes Einzelnen besser entfalten lässt. Während in der klassischen Moderne das Schöpferische ein Ideal lediglich der Kunst und künstlerischer Subkulturen war, kehrt es sich seit den 1970er Jahren verblüffenderweise in den Anspruch des gesellschaftlichen Mainstreams um. Das soziokulturelle Zentrum dieses kreativen Imperativs ist das urbane ‚kreative Milieu‘, das in den creative industries arbeitet. Der Vortrag widmet sich der Genese und den Strukturen des kreativen Selbst und fragt nach seinen Widersprüchen.

ANDREAS RECKWITZ ist Professor für Kultursoziologie an der Europa-Universität Viadrina Frankfurt/Oder und Autor zahlreicher Bücher zur Kulturtheorie und Kultursoziologie der Moderne. 2012 erschien im Suhrkamp Verlag Die Erfindung der Kreativität. Zum Prozess gesellschaftlicher Ästhetisierung.

 

ANDREAS RECKWITZ: THE CREATIVE SELF – THE SELF OF THE CREATIVES

In the culture of the late modern era, creativity has become an omnipresent wish on the part of subjects, and a catalogue of social expectations of those same subjects: not only does one want to be creative, one should be creative. The economy demands creativity of its project workers, consumers should and want to be co-creatives, while psychology handbooks provide tips about how each individual can better develop his or her creative potential. Whereas in classical modernism, the creative was solely an ideal in art and artistic sub-cultures, since the 1970s it has surprisingly been transformed into the aspiration of the social mainstream. The socio-cultural centre of this creative imperative is the urban ‘creative milieu’ which operates in the creative industries. The lecture will be devoted to the genesis and structures of the creative self and raise questions about its inherent contradictions.

ANDREAS RECKWITZ is professor of cultural sociology at the Europa University of Viadrina Frankfurt/Oder and author of numerous books on the cultural theory and cultural sociology of the modern era. In 2012 Suhrkamp published his Die Erfindung der Kreativität. Zum Prozess gesellschaftlicher Ästhetisierung.