FRANKFURTER POSITIONEN 2015
FESTIVAL FÜR NEUE WERKE
22.01. – 01.02.2015

Symposium

Symposium

AUSGESCHLOSSEN. BERICHTE VON VERDECKTEN WIRKLICHKEITEN

16.00 – 19.00 Uhr (FREITAG, 30.01.)
12.15 – 19.00 Uhr (SAMSTAG, 31.01.)
Frankfurt LAB Schmidtstraße
Eintritt frei

Die Ausgrenzung von Menschen und Menschengruppen verletzt grundlegende Normen unserer Gesellschaft. Sie widerspricht den Grundsätzen rechtlicher Gleichheit, sozialer Teilhabe und politischer Partizipation. Gleichwohl sind Ausschließungen Teil unserer gesellschaftlichen Realität. Es gibt Formen der Entrechtung und Gewalt, die sich der öffentlichen Wahrnehmung entziehen, andere nehmen wir rechtfertigend in Kauf und wieder andere verbleiben in einem diffusen Zwischenbereich.

Dass wir ganze Bereiche unserer Wirklichkeit nicht sehen, vielleicht auch nicht sehen wollen, kann ganz unterschiedliche Gründe haben: Sie liegen fernab an den Rändern unserer Welt, so dass sie gar nicht zu uns zu gehören scheinen; sie fallen uns nicht weiter auf, weil sie so durchschnittlich und so normal sind, dass wir uns an sie gewöhnt haben; sie werden begraben unter Schlagzeilen und Bilderfluten, die Elend und Ungerechtigkeit nicht erschließen, sondern paradoxerweise weit eher verbergen; ihre Schrecken sprengen die Sprache, mittels derer wir uns normalerweise verständigen; sie werden verhandelt an Orten, von denen die Öffentlichkeit ausgeschlossen ist.

Das Symposium besteht aus einem Reigen kurzer Vorträge. Ziel ist es, in verdichteter Form verborgene Ausschließungen sichtbar zu machen, Rationalitäten von Ein- und Ausschluss zu analysieren, zu fragen, weshalb wir Leid und Gewalt oft nicht wahrnehmen, obwohl wir sie wahrnehmen könnten, und zu ermitteln, mit welchen Methoden sich verdeckte Stigmatisierung, Missachtung und Ausgrenzung erschließen und ins Bewusstsein holen lassen.

Doch nicht nur verborgene Wirklichkeiten am unteren Ende oder am Rande unserer Gesellschaft sollen zur Sprache kommen, sondern auch andere schwer zugängliche Welten wie unsere Psyche, hoheitlich verdeckte Bereiche der Polizei oder gesellschaftliche Eliten:

Die Soziologin FRIEDRIKE BAHL erforscht die Welt des Dienstleistungsproletariats; HARALD DERN, Fallanalytiker beim BKA, zeigt, wie Kriminologie und Soziologie bei der polizeilichen Aufklärung zusammenspielen; der Kurator ANSELM FRANKE führt in die kulturelle Vorstellungswelt des forensic turn ein; die investigative Journalistin und Autorin JULIA FRIEDRICHS recherchiert in den Rekrutierungsstätten angehender Leistungs- und Wirtschaftseliten; der Psychoanalytiker und Sozialpsychologe ROLF HAUBL verfolgt verdeckte Spuren der Behindertenfeindlichkeit; die Philosophin CORNELIA KLINGER erhellt Zusammenhänge zwischen der Verachtung von Sorgetätigkeiten und Strategien der Kontingenzbewältigung; der Soziologe SEBASTIAN MOSER erkundet die Sozialfigur des Flaschensammlers; die Soziologin und Aktivistin SILKE ÖTSCH folgt verborgenen Geldflüssen in Steueroasen; der Politikwissenschaftler und Psychologe TOBIAS PIEPER dringt ein in die Welt der Lager, die unerwünschte Migrant_innen gefangen halten; der Philosoph und Aktivist THOMAS SEIBERT berichtet aus südasiatischen Textilfabriken.

KONZEPTION UND ORGANISATION UND MODERATION
Institut für Sozialforschung (IfS), Frankfurt am Main: Sidonia Blättler, Axel Honneth, Sighard Neckel, Juliane Rebentisch