FRANKFURTER POSITIONEN 2015
FESTIVAL FÜR NEUE WERKE
22.01. – 01.02.2015

Künstler

Künstler

Frédéric D’haene

Der aus Belgien stammende Komponist Frédéric D’haene (geboren 1961) studierte in Kortrijk, Gent und Lüttich. Er studierte Musikwissenschaft an der Universität von Gent. Er war Schüler von Frederic Rzewski, Walter Zimmermann, Henri Pousseur und des slowenischen Komponisten Vinko Globokar. Er nahm an den Darmstädter Ferienkursen für Neue Musik teil und unterrichtete einige Zeit am Konservatorium in Lüttich und der Universität Gent. D’haenes kompositorische Arbeit gründet auf einer Vorstellung von Pluralismus: Er wendet sich dagegen, eine Welt oder eine Sprache zu wählen und sucht eine Ästhetik der Koexistenz. Er kombiniert Elemente unterschiedlicher Herkunft oder gegensätzliche Konzepte – wie Ost und West, Stasis und Dynamik oder Einfachheit und Komplexität. Was unvereinbar scheint, gewinnt neue Dimensionen und wird erweitert, ohne seine ursprüngliche Natur zu verlieren.

 

STEVE REICH

Steve Reich (geboren 1936 in New York) ist einer der berühmtesten Vertreter der US-amerikanischen Minimal Music. Er lernte Schlagzeug und studierte Philosophie on der Cornell University in Ithaka, New York, dann Komposition on der New Yorker Juilliard University und am Mills College in Oakland, Kalifornien bei Darius Milhaud und Luciano Berio. Reich kam über die Beschäftigung mit identischen Sprachaufnahmen auf mehreren Tonbandgeräten zur Technik der Phasenverschiebung, die er bald auf instrumentale Besetzungen ausweitete. Seine Musik ist vom Jazz, west-afrikanischer Schlagzeug- und balinesischer Gamelanmusik beeinflusst. Die Auseinandersetzung mit der jüdischen Tradition seiner Familie führte zu Werken wie Different Trains für Streichquartett und Tonband (1988) oder der Multimediaoper The Cave (1993).
© Berliner Festspiele, 2013

 

Daniel Kötter und Hannes Seidl

Der Komponist Hannes Seidl und der Regisseur und Videokünstler Daniel Kötter arbeiten seit mehreren Jahren als Künstlerduo an der Realisierung außergewöhnlicher Musiktheaterproduktionen. Ihre Projekte lassen sich zwischen Installation, Musiktheater und Performance ansiedeln. Hannes Seidl wurde 1977 geboren, er studierte Komposition bei Nicolaus A. Huber, Th. Neuhaus und Beat Furrer. Seine Musik wurde international auf renommierten Festivals mit Ensembles wie den Neuen Vocalsolisten, Ensemble Modern, Klangforum Wien oder dem Sinfonieorchester des Hessischen Rundfunk aufgeführt. Seine elektronischen Arbeiten entstanden u. a. am Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) in Karlsruhe und an dem von Pierre Boulez gegründeten Institut de Recherche et Coordination Acoustique/Musique (IRCAM) in Paris. Seit 2008 arbeitet Hannes Seidl regelmäßig mit dem Videokünstler Daniel Kötter zusammen. Der Regisseur, Filmemacher und Videokünstler Daniel Kötter wurde 1975 geboren. Er entwickelt alternative Konzert-Formate und untersucht das Verständnis der Rolle von Bildern, Institutionen und der künstlerischen Praxis im Allgemeinen. Ein Schwerpunkt liegt für ihn auf der Zusammenarbeit mit Komponisten und Choreographen (u.a. Hannes Seidl, Constanze Fischbeck). Seine Arbeiten wurden auf zahlreichen internationalen Film- und Videokunstfestivals, in Galerien, Theatern und Konzerthäusern in Europa, USA, Kanada, Mexiko und Nigeria gezeigt.

 

Dea Loher

Die Dramatikerin Dea Loher wurde 1964 in Traunstein geboren. Sie studierte Philosophie und Germanistik in München. Schon ihr zweites Stück Tätowierung, setzte sich im Repertoire durch. Mit Fremdes Haus begann 1995 am Staatstheater Hannover die Zusammenarbeit zwischen der Autorin und dem Regisseur Andreas Kriegenburg, der seither die meisten ihrer Theaterstücke uraufführt. Dea Lohers Dramen sind in über 15 Sprachen übersetzt und werden in aller Welt gespielt. Für ihr literarisches Schaffen erhielt sie zahlreiche Preise und Auszeichnungen, unter anderem 2006 den Bertolt-Brecht-Preis der Stadt Augsburg und 2009 den Berliner Literaturpreis der Stiftung Preußische Seehandlung.

 

Roland Schimmelpfennig

Roland Schimmelpfennig ist der zurzeit meistgespielte Gegenwartsdramatiker Deutschlands. Seine Stücke werden in über 40 Ländern aufgeführt. Er wurde 1967 in Göttingen geboren, arbeitete zunächst als Journalist und begann dann ein Regiestudium, wurde Regieassistent und später Mitarbeiter der künstlerischen Leitung der Münchner Kammerspiele. Schimmelpfennig, der weiter als Regisseur tätig ist, steht mit seinen Theatertexten in der Tradition literarischer Dramatik: Für ihn ist der literarische Text der Ausgangspunkt und zentrale Referenz der Inszenierungen. Er hat für sein Werk zahlreiche Preise und Auszeichnungen erhalten. Er schrieb Auftragsarbeiten für das Schauspielhaus Zürich, das Deutsche Theater Berlin, das Schauspielhaus Bochum, das Wiener Burgtheater und andere. 2010 erhielt er den Mülheimer Dramatikerpreis für sein Stück Der goldene Drache.

 

Markus&Markus

Markus&Markus ist ein Theaterkollektiv aus Hildesheim, das sich dem politischem Theater verschrieben hat. Markus&Markus konfrontieren Dokumentationen der Wirklichkeit mit der Bühne als Illusionsmaschine. Ihr erstes Stück Polis3000: autonomia entstand 2011 im Theaterhaus Hildesheim und wurde mit dem Preis des Kapitalismusschredder-Festivals ausgezeichnet. Im Mai 2012 wurde Markus&Markus mit der Produktion Polis3000: respondemus zum Stückemarkt des Berliner Theatertreffens eingeladen. Ihre dritte Produktion, Polis3000: oratorio, entstand für den Freischwimmer 2012/13 auf Kampnagel Hamburg.

Markus&Markus sind Katarina Eckold (geboren 1976), die als Kamerafrau, Cutterin, Animations-, Sound- und Videodesignerin arbeitet, Lara-Joy Hamann (geboren 1989), die als Produktionsleiterin, Konzeptionistin und Übersetzerin wirkt, Manuela Pirozzi (geboren 1980) als Bühnen- und Kostümbildnerin, Markus Schäfer (geboren 1983) als Konzeptionist, Autor und Performer und Markus Wenzel (geboren 1988) als Konzeptionist, Autor und Performer.

 

Hassan Khan

Der Künstler, Musiker und Schriftsteller Hassan Khan (geboren 1975) arbeitet mit Bild, Klang, Text und Raum. Er lebt und arbeitet in Kairo, wo er früher Teil einer selbstorganisierten, hoch innovativen, aber selten öffentlichen Kunst- und Musikszene im Untergrund war. Er gilt seither als Wegbereiter, vor allem auf dem Gebiet experimenteller Musik und Videokunst. Mit seinen künstlerischen Installationen und Performances, die eine gegenwärtige kulturelle Perspektive zum Ausdruck bringen, ist er heute international präsent. In der Auseinandersetzung mit Sprache und vertraut erscheinenden Objekten und Subjekten, die er persönlich oft verdeckt gehaltenen Bezügen gegenüberstellt, erforscht er den stetigen Wechsel zwischen Persönlichem und Formalem. Auf diese Weise, so Khan, wird das kulturelle Artefakt – ob Kleidung, Musik oder Poesie – entsentimentalisiert. Dieser Status erlaubt dem Publikum, ihm unter den eigenen Bedingungen zu begegnen.

 

Marcelo Evelin/Demolition Inc.

Der Tänzer, Choreograf, Regisseur und Wissenschaftler Marcelo Evelin stammt aus dem brasilianischen Bundesstaat Piauí, wo er 1962, in Teresina, geboren wurde. Er studierte Tanz in Paris und Amsterdam und trat Arthur Rosenfelds Tanztheater-Ensemble Meekers bei. Nach einer Assistenz bei Pina Bausch begann er seine Arbeit als Choreograph und gründete in den Niederlanden das Ensemble Demolition Inc. Seit 2006 ist er Intendant des Teatro João Paulo II in Teresina-Piauí. Dort gründete er die beiden Projekte Centro und Núcleo de Criação do Dirceu, die eine Plattform für Forschung und Entwicklung zeitgenössischer Bühnenkunst bieten sollen.

 

Falk Richter

Falk Richter zählt zu den erfolgreichsten deutschen Dramatikern und Theaterregisseuren. Er wurde 1969 in Hamburg geboren und studierte Schauspielregie an der Universität Hamburg und lieferte 1996 mit seiner Inszenierung Silikon von Gerardjan Rijnders ein vielbeachtetes Regie-Debüt. Es folgten Inszenierungen in Frankfurt, Hamburg, Berlin, Düsseldorf, in der Schweiz, Holland, Österreich und den USA. Sein Stück Gott ist ein DJ wurde in zehn Sprachen übersetzt und wird seit seiner Uraufführung 1999 an zahlreichen Bühnen im In- und Ausland gespielt. Falk Richter wirkt auch als Opernregisseur und Übersetzer. In den vergangenen Jahren hat er zunehmend freie Projekte mit Musikern und Tänzern, basierend auf eigenen Texten entwickelt. Für die groß angelegte Crossover-Produktion For The Disconnected Child (UA 2013) mit der Schaubühne und der Staatsoper im Schiller Theater in Berlin erhielt Falk Richter den Friedrich-Luft-Preis.